Heute vor genau einem Jahr verbrachten Michael und ich den Tag am
Bangkoker Flughafen, um den zurückreisenden Tsunamiopfern im Namen der Deutschen Botschaft Bangkok zu helfen.
Jens, der Schwede, war am Vortag bereits zur schwedischen Botschaft, um dort zu fragen, ob er irgendwie helfen kann. Er wurde gleich da behalten und hat seitdem Telefondienst in der Botschaft gemacht. Zwischendurch schrieb er eine SMS, in der er uns das erzählte. Daraufhin habe ich dann auch gleich bei der deutschen Botschaft angerufen. Kurze Zeit später rief ein Angestellter dann zurück und teilte uns für den 30. Dezember und den 2. Januar jeweils für die Tagesschichten (6:00 - 18:00 Uhr) am Flughafen ein.
Um 5:15 Uhr setzten wir uns also ins Taxi und waren dann auch gegen 6:00 Uhr am Flughafen. Wir sollten zur Lufthansa in den 4. Stock des Terminal 2 gehen, um uns einen Flughafenausweis abzuholen. Da wurden wir jedoch in den 2. Stock weitergeschickt, wo wir dann auch nach einiger Zeit und einigen ausgefüllten Dokumenten zusammen mit einer Mitarbeiterin der Lufthansa dann zu einem Büro der Flughafensicherheit im Terminal 1 gingen. Dort ging es dann auch recht zügig (die Playstation war gerade auf Pause gestellt...) und mit den Ausweisen ging es dann ins Domestic Terminal am anderen Ende des Flughafens. Gegen 6:45 Uhr waren wir dann da. Das war allerdings keineswegs tragisch, da eh noch kein Flieger aus der betroffenen Region ankam. Weder von der Deutschen, noch von anderen Botschaften war wirklich Personal da, sodass wir entschieden, noch eben was frühstücken zu gehen. Während wir also unseren
„TG-Burger“ verputzten, rief dann der Koordinator der Botschaft an, um zu fragen, ob wir denn auch schon da wären. Wir schon – nur niemand sonst.

Gegen 8:00 Uhr kamen dann auch zwei Mitarbeiter des Auswärtigen Amts (Hauke und
Sandra), mit denen wir dann den Tag zusammen arbeiteten, sowie noch eine Freiwillige (Angela) – die Frau des Koordinators. Nachdem wir zunächst alle im Domestic Teil arbeiteten, gingen Angela und Hauke rüber in den International Airport, wo auch schon ein paar andere Kollegen der Botschaft waren.

Um 11:00 Uhr sollte ein Airbus mit 220 Plätzen von der Luftwaffe nach Deutschland abfliegen. Somit versuchten wir alle ankommende Leute, die wieder in Richtung Deutschland wollten in die Maschine zu stecken. Das war doch einfacher gesagt, als getan. Zum einen waren gar nicht so viele Interessenten da, die überhaupt zurück wollten, andere wollten mit ihrem geplanten Flieger zurück. Um kurz nach 10:00 Uhr boten wir dann allen Botschaften an, dass die Maschine Leute jeglicher Nation mitnimmt, so sie denn nach Köln ausgeflogen werden wollen.
Da die Maschine aber immer noch nicht voller werden wollte, wurde der Flug dann im Halbstundenrhythmus nach hinten verschoben, bis der Pilot gegen 14:30 Uhr sagte, dass sie los müssen, da er seine Zeiten schon „sehr gedehnt“ hat.

Während dieser Zeit hatten wir einige Opfer, denen wir versuchten zu helfen. So war da zum Beispiel eine Familie, die zum Zeitpunkt des Tsunamis gerade mit einem Leihwagen auf Phuket unterwegs war. Als sie zurückkehren wollten, wurden sie durch Straßensperren aufgehalten. Auf Nachfrage, was denn los sei, sagten die Thais nur
„Big wave, big wave“ und wurden in ein Krankenhaus gesteckt, obwohl sie deren Hilfe gar nicht benötigten. Nach der Nacht dort, sind sie wieder mit dem Auto los und der Vater ist möglichst nah an den Strand gefahren, wo deren Bungalow war. Dort ist er dann alleine zum Bungalow, d.h. was davon übrig war: Das Fundament und der darauf festgeschraubte Safe, inkl. aller Dokumente. Zusammen zogen sie sich ins Hinterland zurück und warteten das Schlimmste erst einmal ab, bevor sie dann nach Bangkok kamen. Da sie in Shanghai lebten, sind sie anschließend dorthin wieder weitergereist.
Eine weitere Geschichte war ein Deutsch-Schweizer Pärchen. Sie wurde leicht verletzt, er kam mit dem Schrecken davon. Sie kam zwar mit dem Rolli an, war aber immerhin noch so gut drauf, dass sie über Michael lästerte („Am Anfang warst Du mit der Fahne ja ganz hilfreich, Euch zu finden, aber nun stehst Du im Weg!“). Alles in allem waren sie aber trotzdem ganz schön mitgenommen und waren nun froh, auf der Luftwaffenmaschine einchecken konnten. Eigentlich wollten sie bis Mai in Thailand bleiben.
Außerdem waren da noch die zusammen reisenden älteren Damen. Die eine war auf der Dachterrasse, die andere wurde von der Welle mitgerissen, aber nicht (ernsthaft) verletzt. Nun wollten sie aber erst einmal in Bangkok bleiben, da ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fallen würde und sie Bangkok als „weit genug weg“ erachteten. Da von Ihrer Reisefirma keiner am Flughafen war, halfen wir ihnen zu ihrem Hotel zu kommen, in dem Michael ihnen ein Taxi besorgte und den Taxifahrer anwies.
Nicht zuletzt war da noch ein Tauchlehrer, der mit ein paar Neulingen gerade unter Wasser war. Die Welle erfasste sie in Form einer starken Strömung, die die ganze Truppe 10 Meter tiefer nach unten zog. Durch die korrekten Anweisungen, die er seinen Schülern gab, wurde keiner verletzt, obwohl sie gegen Korallen geschleudert wurden. Die Korallen trafen somit nur entweder die Füße, mit denen sie sich abstützten, oder die Flasche. Die Schüler hatten nicht vermutet, dass es so ungewöhnlich war und sind alle ruhig geblieben.
Die Freunde des Tauchlehrers, die alle an Land waren, sind alle umgekommen. Er selbst half dann noch zwei Tage bei den Arbeiten vor Ort, bevor ihn das Ganze psychisch einholte und war nun auch froh, so unkompliziert wieder nach Hause zu kommen.
Als um 13:30 Uhr dann gesagt wurde, dass am internationalen Teil des Flughafens zwei Maschinen aus Phuket ankommen, die angeblich mit vielen Deutschen besetzt sind, die dann in der Luftwaffenmaschine weiterfliegen wollten, bin ich mit einem Wagen über das Flugfeld dort hingefahren worden, um dort zu helfen. Das war aber dann doch blinder Alarm und konnte ich nur einmal einen Einblick gewinnen, wie die Kollegen im internationalen Teil arbeiteten und bin mit dem Bundeswehrarzt dann noch einmal kurz in die Luftwaffenmaschine gegangen. Er hat dort dann noch einen Patienten mitgenommen, der sich ein Bein gebrochen hatte. Dies war nur möglich, da der Patient wohl während Start und Landung sitzen konnte. Ich zitiere den Arzt mit den Worten „Wir erweitern unseren Auftrag ein wenig im Namen der Menschlichkeit“ – Schwerverletzte durften sie nämlich eigentlich nicht mitnehmen. Gegen 14:30 Uhr hob die Maschine dann mit leider nur 22 Passagieren an Bord ab.

Später am Nachmittag schaute dann noch der Thailändische Kommunikationsminister vorbei, der dann auch kurz noch mit Hauke sprach.
Als wir dann um kurz nach 18:00 Uhr durch waren, fuhren wir mit Angela in die Sukhumvit, während Hauke und Sandra noch in die Botschaft mussten. Angela fuhr weiter nach Hause und so setzten Michael und ich uns in der
Soi Nana in eine Kneipe. Gegen 20:00 Uhr kam dann Jens aus der schwedischen Botschaft, die sich gleich um die Ecke befindet dazu. Bei ein, zwei Bierchen und einem Abendessen haben wir den Tag dann erst einmal sacken lassen.
Lieber Pazifist, der Du Frau Pia auf der Domplatte angesprochen hast: Lies das hier. Nein, das soll keine Selbstbeweihräucherung sein – ich meine den Teil mit dem Piloten und der gedehnten Zeit. Und den Teil mit dem Arzt und der Erweiterung des Au
Tracked: Jan 19, 11:28