15 Minuten vor der geplanten Ankunft sind mein Kommilitone und ich in Bangkok gelandet. Passkontrolle und Zoll konnten wir problemlos passieren: Das (vorläufige) 90-Tage-Visum war in Ordnung und für mitgebrachte Dinge wie Laptops und sonstigen technischen Schnickschnack interessierte sich der Zoll nicht (obwohl wir uns bei “Goods to declare” angestellt hatten).
Da wir niemanden mit einem Schild am
Flughafen fanden, der uns abzuholen schien, schnappten wir uns eine Limousine und fuhren für umgerechnet 15 Euro zur
Uni. Ein Touristennepppreis, wie sich später herausstellten: Zwar sind es über 30 Kilometer mit mautpflichtigem Highway, aber in einem Taxi mit Taxameter hätten wir gerade mal fünf Euro bezahlt...
Natürlich hatten wir vergessen, die Mail mit den weiteren Informationen auszudrucken. Mein Kommilitone wusste zwar noch “Hauptgebäude, 2. Stock: International Office”, der Guard meinte auf Grund unseres Gepäcks aber, dass wir doch eher ins Guest House gehören und verfrachtete uns dort hinüber. Die Damen dort waren aber sehr hilfreich und als wir noch ein Schriftstück (auf Thai) mit dem Briefkopf unserer Fakultät vorlegten, konnten sie uns auch
wirklich weiterhelfen¹ und ein Mitarbeiter fuhr uns sogar quer über das Unigelände zur Fakultät. Dort wurde dann versucht, die Nummer von Michael, unserem zweiten Kommilitonen herauszufinden, was sich aber nicht als so einfach gestaltete. Letztlich habe ich per Internet in meine Mails geschaut (für die Nerds unter den Lesern: Mit ssh und pine — macht Spaß mit der Latenz

) und dann konnten wir ihn anrufen.
Er wohnte in der Wohnung eines unserer Vorgänger, der das Sommersemester in Thailand verbrachte und gerade in Vietnam war. Die Wohnung war nur ein paar Hundert Meter entfernt in
Ban Suan Thon, sodass er ein paar Minuten später da war.
Nachdem in der Fakultät alles geklärt war, sind wir zu Michael in die Wohnung, haben erst einmal unsere Sachen abgeladen und nachdem wir uns mit der dringend notwendigen Flüssigkeit versorgt haben, sind wir erst einmal mit dem Bus für 70 Cent (pro Person) ein paar Kilometer weiter zum nächsten großen Supermarkt gefahren.
Bis wir Michael (endlich) erreicht hatten, wussten wir nicht, wo wir die Nacht hätten schlafen sollen (OK: Hotels gibt es genug, aber wir hatten halt noch keinen Plan...), aber das ist ja, was einen Auslandsaufenthalt zu einem Abenteuer macht

.
Im Supermarkt (bzw. dessen Mall) haben wir erst einmal das thailändische Essen genossen und anschließend eingekauft. Den Rückweg traten wir mit dem Taxi an, was in der Summe (zu dritt) sogar noch günstiger war: 1,20 Euro! So lässt es sich leben.
Wieder in der eingezäunten und bewachten Wohnanlage spannten wir eine Runde aus, bevor es gegen Abend zum nahegelegenen Food Court ging. Thailänder kochen eigentlich nie selbst. Das Essen auf der Straße ist einfach so günstig, dass dort wirklich jeder essen
geht. Die Food Courts sind Plätze mit vielen fest installierten, überdachten, aber nicht geschlossenen Garküchen und einer Menge Sitzplätze in der Mitte. Man bestellt sich sein Essen an einem beliebigen Stand, bezahlt es und setzt sich irgendwo hin. Wenn es fertig ist, bekommt man es gebracht. Mit Getränken ist es dasselbe, nur, dass es eben eigene Getränkestände, teils mit einer enormen Auswahl, gibt. Ein Essen kostet im Food Court durchschnittlich 80 Cent, mit einem halben Liter Coke ist man immernoch unter einem Euro.
Den Abend haben wir in einer Kneipe auf der gegenüberliegenden Straßenseite ausklingen lassen, in der wir Singha, das bekannteste thailändische Bier aus Pitchern tranken. Das dazugereichte Eis lehnten wir dankend ab - noch. Später tranken wir das Bier wirklich mit Eis...
Ein schweizer Kommilitone aus dem Sommersemerster gesellte sich noch zu uns und abgesehen von Michael war er der einzige Nicht-Asiate, den wir seit der Abfahrt vom Flughafen gesehen haben. Genau so stellte ich mir den Auslandlandsaufenthalt vor: Mittendrin statt nur dabei.
Der Abend wurde allerdings nicht allzu lang, da wir auf dem Flug ja nicht wirklich schlafen konnten.
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¹ Thailänder wollen immer weiterhelfen und erzählen einem auch immer
irgendwas. Jemandem nicht helfen zu können, bedeutet in dem Kulturkreis einen ‘Gesichtsverlust’. Kein Thailänder sagt jemals “Weiß ich nicht.”. Eher schickt er einen z.B. zwei Ecken weiter und sagt, dass man dort weiterfragen möge. Möglicherweise ist man dann allerdings zwei Ecken weiter entfernt...