Heute vor genau drei Jahren... schliefen wir erst einmal aus! Immerhin waren es ja fünf Stunden Zeitverschiebung. Als wir um 11:00 Uhr aufstanden, war es somit “gefühlte 6:00 Uhr”. Michael war ja nun schon eine Woche in Bangkok und spielte somit unseren¹ Fremdenführer. Allerdings machten wir kein Sightseeing, sondern wollten die notwendigsten Dinge kaufen: SIM-Karten für unsere Handys und Michael wollte ein paar Lautsprecher haben, um mal wieder vernünftig Musik hören zu können.
Also fuhren wir in die “Innenstadt” — wenn man das denn so bezeichnen will, denn bei einer Zwölf-Millionen-Metropole kann es
das Zentrum gar nicht geben. Unser Ziel hieß zunächst
Mahboonkrong, den Touristen besser bekannt als MBK. Es befindet sich direkt am belebten Siam Square, welches von etlichen Einkaufsmalls und kleineren Geschäften umgeben ist. Außerdem ist der Siamsquare ein Verkehrsknotenpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs: Die beiden Linien des Skytrain — also der Hochbahn — kreuzen sich hier. Mit eben diesem Skytrain sind wir auch zum MBK gefahren. Da der allerdings erst ab dem Chao Phraya, dem Fluß an dem Bangkok liegt, fährt, sind wir zur
Endstation Saphan Taksin vorher mit dem Bus gefahren. Die Busfahrt kostete 8 Cent pro Person, für den Skytrain mussten wir ganze 50 Cent berappen — dafür ist er
herrlich frisch arschkalt klimatisiert.
Das MBK selbst ist eine riesige Mall, in der auf fünf oder sechs Etagen so ziemlich alles verkauft wird. Zwei weitere Etagen sind voller Restaurants und Entertainment (Kinos, Bowling, Spielhallen,...).
Die Etage mit den Möbeln und die zwei Etagen mit den Klamotten interessierten uns zunächst nicht. Wir sind gleich in die vierte Etage, in der es (fast) nur Elektronik und dort überwiegend Handys gab.
Dutzende Hunderte Stände hatten ellenlange Listen mit Telefonnummern an ihre Tresen geheftet, sodass man sich aus den Listen nur eine passende Nummer aussuchen musste. Michael empfahl uns
Happy D-Prompt, wir suchten uns eine Nummer aus und mit 4 Euro (inkl. einem Euro Startguthaben) waren wir dabei. Die Minutenpreise waren auch sehr moderat: 10 Cent für die erste Minute und 6 Cent für jede Folgeminute. Und das Beste: Anruf nach Deutschland (egal ob Handy oder Festnetz!) kosteten nur 14 Cent pro Minute.
Um die Lautsprecher zu kaufen, wollte Michael ins Pantip Plaza von dem wir wussten, dass es ähnlich dem MBK eine große Mall ist, es dort aber nur(!) Computerläden gibt. Dummerweise wussten wir nicht,
wo es sich befindet und so fragten wir die
Tuk-Tuk-Fahrer. Nachdem erst “horrende” Preise von vier bis fünf Euro für eine Fahrt genannt wurden, wusste Michael, dass es gar nicht so weit sein konnte und handelte einen Fahrer auf 1,60 Euro herunter. Der Fahrer fuhr dann kreuz und quer durch irgendwelche kleineren Straßen, aber das kam mir schon von vornherein etwas komisch vor. Letztlich landeten wir dann aber am Ziel — direkt und ohne bei einem Teppichhändler oder Juwellier gewesen zu sein...
Das größte Problem im Pantip Plaza ist es, das man handeln und vergleichen muss. Und, wenn man später dann wieder zu dem Händler mit dem besten Angebot will, muss man den erst einmal wiederfinden! So zogen wir nun also zu dritt durch die fünf Etagen voller Computer und Elektronik und im achten oder neunten Laden fand Michael dann auch das richtige. Zwar bekam er den Preis nur von 16 auf 15 Euro gedrückt, aber vergleichbare Lautprecher mit Subwoofer hätte es zur damaligen Zeit in Deutschland unter 50 Euro vermutlich nicht gegeben.
Wieder auf der Straße sahen wir von weitem in einer großen Querstraße die Stelzen des Skaytrains und steuerten drauf zu. Und siehe da: Die dortige Station war nur eine Station vom Siam Square — und damit dem MBK — entfernt. Der Tuk-Tuk-Fahrer ist also tatsächlich nur mit der Kirche ums Dorf gefahren, um den Weg etwas länger erscheinen zu lassen. Mit dem Skytrain und danach wieder dem Bus ging es wieder zurück zu “Michaels” Wohnung.
Über die dünne Telefonleitung haben wir zunächst mal Mails gecheckt und uns danach ein wenig ausgeruht. Michael traf sich derweil mit den beiden Schweizern, die im Sommersemester an der KMUTT studiert hatten. Gegen Abend riefen wir kurz bei Michael an, um zu fragen, wo sie sind und ob sie schon gegessen hatten (die frische SIM-Karte will ja genutzt werden...) und gingen schließlich zu ihnen rüber in die Bar, in der wir schon den Vorabend verbrachten.
Da man auf Grund der Temperaturen nie viel auf einmal ißt, passten wir uns dem an und holten uns (dies war “Mahlzeit” drei an dem Tag) je zwei Saté-Spieße, die wir auf dem Weg in die Bar verputzten. Dort erzählten uns die Schweizer dann noch alle möglichen, nützlichen Dinge: Wo kann man in der Umgebung waschen (lassen)? Wo ist ein Friseur? Welche Alternativen gibt es zum Food Court? Warum trinkt man das Bier mit Eis? etc.
Letztere Frage ist übrigens einfach zu beantworten: Zum einen, damit das Bier kalt bleibt, zum anderen ist das Bier mit 6Vol-% Alkohol eh stärker, sodass es mit Eis auf europäische Verhältnisse heruntergemischt ist

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Nachdem der Pitcher leer war, versuchten mein Kommilitone und ich uns an Cocktails. Er nahm einen Planters Punch und ich einen Mai Tai. Sie schmeckten beide nicht im entferntesten nach dem, was wir uns darunter vorstellten. Mein Mai Tai war zwar gut, aber eben kein Mai Tai. Meinen Kommilitonen hat es ungleich schlimmer erwischt: “Als wenn man sich auf den Kanaren mit dem entsalzten Meerwasser die Zähne ausspült, nachdem man mit Minzzahncreme geputzt hat” war sein Fazit...
Während wir die Cocktails vernichteten, war Michael mit zu den Schweizern gegangen, um uns eine DVD für den weiteren Abend auszuleihen. Als er wieder da war, stand schon ein Pitcher Bier auf dem Tisch, mit dem wird dann die Cocktails nachspülten. Auf dem Rückweg in die Wohnung wollte ich eigentlich noch ein paar weitere Hähnchenspieße essen, aber leider war der empfohlene “Mann mit Hut” schon weg und auch sonst konnte ich keine ausmachen. Somit wurden es noch ein paar Hackspieße, die aber auch recht lecker waren. Der Abend klang dann mit der DVD, Chips und Dosenbier, sowie dem zweifelhaften Versuch, über Analogmodem im Internet zu surfen aus.
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¹ Anmerkung: Wannimmer ich von “wir” spreche, meine ich im Allgemeinen meinen Kommilitonen und mich damit. Wir sind zusammen geflogen und haben uns das halbe Jahr eine Wohnung geteilt. Er möchte jedoch nicht namentlich erwähnt werden.