Heute vor genau drei Jahren... bekamen wir den Telefonanschluß. Zu dem Zeitpunkt zwar noch ohne DSL, aber immerhin konnten wir schon mal über eine PrePaid-Karte surfen. Damit bekamen wir die Zeit, die wir auf das Angebot der Maler warteten, sowie die Zeit die wir auf die Reparatur der Klimaanlage warteten auch gut rum.
Die Maler wollten 360 Euro für alles haben. Da Ness, der uns das als Übersetzer telefonisch mitteilte, musste allerdings in eine Klausur, sodass keine Zeit war, noch groß zu handeln. Das kommt aber noch.
Die Warterei auf die Klimaanlagenmonteure brachte uns noch einmal die thailändische Zeitrechung näher: Sie waren nämlich eine Dreiviertelstunde zu spät. Aber nach der Reinigung und Trocknung des Filters, dem Nachfüllen von Kühlflüssigkeit und einigen Tritten hier und Schlägen dort (gegen Kratzgeräusche, die der Rotor der Ausseneinheit machte), funktionierte die Anlage wieder einwandfrei.
Danach hatten wir dann ja endlich “frei” und so konnten wir uns erst einmal auf die Suche nach was essbarem machen. Da es allerdings erst kurz nach zwei war, hatte der Stand, auf den ich meinen Mitbewohner schleifen wollte, noch gar nicht geöffnet. So gingen wir zum ersten mal zu einer älteren Dame auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die Spieße in allen Varianten anbot. Insgesamt entschieden wir uns für 10 Spieße in drei Sorten: Einmal ein großes Stück Brust und einmal zwei kleinere Stücken. Außerdem hatten wir Spieße mit einer frittierten Geflügelwurst. Alles natürlich in einem Teigmantel. Der Spaß kostete uns mal wieder einen ganzen Euro. Aufgrund der Größe der Fleischstücke hätten wir das Doppelte erwartet. Dazu gab es eine süß-scharfe Soße und für jeden von uns eine Art Keks. Auch aus dem Teig, in dem die Spieße waren, aber auch mit irgendeiner undefinierbaren Füllung.
Auf dem Weg in die Wohnung trafen wir Michael, den wir gleich einluden, mitzuessen. Es war auch für drei Leute gut ausreichend. Das Ganze war mal wieder super lecker – vor allem mit der Soße dabei. Nachdem wir aufgegessen hatten, sind mein Mitbewohner und ich noch mal los, um Getränke und Eis einzukaufen – als hätten wir eine Vorahnung gehabt.
Es wurde gerade dunkel — wie immer so gegen 18:30 Uhr — als es anfing zu Blitzen und zu Donnern. Eine gute halbe Stunde konnten wir uns das Spektakel ansehen, ohne dass auch nur ein Tropfen Regen fiel. Dann allerdings fing es sintflutartig zu regnen an. Eineinhalb Stunden später gingen wir mit Michael zum Essen und da war es schon wieder trocken! Auf dem Weg trafen wir Roger (den Schweizer) und er zeigte uns ein Restaurant(!) auf der anderen Straßenseite — das
4x4. Zwar kosteten die Speisen hier ca. 1,60 Euro, dafür war es aber eben ein Restaurant mit vollem Service.
Keine der Bedienungen sprach englisch und sie hatten auch nur eine Karte in Thai. Dennoch sind wir alle satt geworden und hatten leckere Sachen. Zunächst gab es Fisch in Rhabarber-Schnipsel-Form (wirklich!) auf einem kleinen Salat mit Sojasoße und einer Art (extra scharfen) Meerrettich. Danach gab es Hähnchenfiletstücke im Teigmantel auf frittierten Blattstreifen (die aussahen wie Algen). Das Ganze war mit einer Käsesoße überbacken (mein absoluter Favorit!). Unser drittes Gericht war eine Art warmer Zitronengrassalat auch mit ein wenig Fleisch, etc. und zu guter letzt hatten wir einen „explodierten Fisch“, von dem Roger eiskalt die Schwanzflosse knabberte. Man muss sich vorstellen, dass von einem ganzen Fisch der Fleischteil abgenommen wurde und mit scharfen Gewürzen geröstet wurde. Das Ganze war dann mit der Schwanzflosse wieder auf dem Teller drapiert.
Zunächst tranken wir Bier zum Essen und stiegen auf 100 Pipers (Scotch Whisky) um. Gemixt mit Pepsi und Soda. Daraufhin wurden auch gleich die Biergläser abgeräumt — halbvoll...
Wir tranken und tranken ein Glas nach dem anderen, aber die Flasche wurde nicht leerer. Die Mischungen waren einfach zu schwach um dem Füllstand der Flasche zu schaden. In dem Restaurant wurde man nämlich komplett umsorgt: War das Glas halbleer, wurde es prompt entwendet und wieder aufgefüllt. Somit hatten wir gar keine Chance, die Mischungen zu beeinflussen.
Nachdem wir eingesehen hatten, dass es noch ewig gedauert hätte, die Flasche zu leeren, beschlossen wir zu zahlen (1085 Baht – also gute 20 Euro für alles) und machten uns auf den Heimweg.
Draußen wurde Michael in ein Gespräch verwickelt, während Roger schon nach Hause ging und ich mit meinem Mitbewohner noch im Kiosk war. Drei Studenten der KMUTT aus dem Fachbereich „Electrical Engineering“ hatten ein Assignment für den Englischkurs zu machen, das daraus bestand, jeweils ein Interview mit einem Farang zu führen. In unserer guten Laune luden wir sie gleich ein, mit uns auf unser Appartement zu kommen, um dort das Interview (sollte ca. 20 Minuten dauern) in Ruhe zu führen. Unterwegs gabelten wir noch Ness auf. Zunächst boten wir erst einmal etwas zu trinken an (Rum-Cola war durchaus beliebt) und führten nacheinander die Interviews. Darin kamen Fragen vor wie „Did you see Thai Movie?“, „How long do you stay here?“ oder „What recommendations do you have for the facilities at the international airport?”.
Wir machten noch ein paar Fotos, die wir ihnen gleich auf den mitgebrachten Memory-Stick packten, damit sie vielleicht noch einen kleinen Bonus haben. Für unser Album machten wir auch noch ein paar Bilder. Nur gut, dass wir so viele Getränke eingekauft hatten, denn der Abend war noch nicht zu Ende.
Wir unterhielten uns noch eine ganze Zeit mit den Jungs. Sie sprachen sogar ein klein wenig deutsch, da sie auch noch einen Deutsch-Grundkurs besuchen. Werder Bremen kannten sie und wussten sogar, dass Ailton zu Schalke gegangen ist. Ich zeigte denen ein paar Bilder von der Meisterfeier, was sie sehr beeindruckte. Wir boten an, dass wir deren Deutschkurs mal besuchen können, wenn der Lehrer damit einverstanden ist.
Wir sagten den dreien zwar, dass sie gehen können, wenn sie wollen und dass sie nicht aus Höflichkeit da bleiben müssen, so sie das nicht wirklich wollen, dennoch meinte Ness später, dass zwei von denen am nächsten Tag eine Klausur zu schreiben hatten. Wir hätten sie also besser „hinaustreten“ sollen, mit den Worten „ihr solltet vielleicht noch an dem Interview arbeiten“. Das wäre hier anscheinend nicht unhöflich gewesen und sie hätten sich wohler gefühlt. Außerdem meinte Ness, dass die superglücklich waren über die Interviews, da sie die am nächsten Tag abgeben mussten und ansonsten hätten in die Kao San Road gehen müssen, wo sie es mit Sicherheit wesentlich schwerer gehabt hätten, Leute zu einem Interview zu überreden. Ness ist auch nach Hause und gegen halb fünf waren wir auch endlich im Bett...